Diese Rezension wurde auch im bildungsblog veröffentlicht. Aus diesem Grund habe ich hier die Kommentare geschlossen und bitte darum, im Bildungsblog zu kommentieren. Danke!
Werner Helsper, Susann Busse, Merle Hummrich, Rolf-Torsten Kramer (Hg.) (2008): Pädagogische Professionalität in Organisation. Neue Verhältnisbestimmungen am Beispiel der Schule, VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden, 279 Seiten, ISBN 978-3-531-14860-1, 29,90€.
In dem Sammelband, der auf eine Fachtagung zum Thema zurückgeht, wird aus verschiedenen theoretischen Perspektiven die Frage nach dem Verhältnis von Organisation und Profession am Beispiel der Schule in den Blick genommen. Dazu werden in einem einführenden Beitrag durch die Herausgebenden zunächst die langjährigen Diskussionen um dieses Verhältnis nachgezeichnet, in welchen auch die Frage impliziert wird, wie eine pädagogische Organisation aussehen könnte. Hier wird im historischen Verlauf der Diskussion ein Schwanken zwischen der Orientierung an Max Webers Bürokratiemodell und der Orientierung an Karl Weicks Modell der lose gekoppelten Systeme deutlich. Anschließend führen die Herausgebenden in die Gliederung des Sammelbandes und in die einzelnen Beiträge verschiedener Autorinnen und Autoren ein.
Im ersten Teil des Bandes stehen systematische und historische Perspektiven im Vordergrund. So nimmt Hartmut Wenzel Ewald Tenorths Argumentation von 1986 zum Ausgangspunkt seiner Überlegungen. Tenorth ging schon damals von der Eigenständigkeit pädagogischer Organisationen mit unverwechselbaren Subkulturen aus. Wenzel zeichnet nun in seinen Beitrag dies unter Bezugnahme auf die neuren Diskussionen nach. Bernd Zymek befasst sich in seinem Beitrag mit dem Bologna-Prozess und beschreibt anhand dieser Entwicklung die Tektonik des deutschen Bildungssystems und den sich aus der Bolognareform ergebenen Strukturwandel für die Lehrerbildung.
Sozialwissenschaftliche Ansätze zum Verhältnis von Profession und Organisation werden im zweiten Teil in den Blick genommen. Aus einer strukturtheoretischen Perspektive reflektiert Ulrich Oevermann das Verhältnis von Krise und Routine (vgl. S. 57) vor dem Kontext pädagogischer Professionalität. Diese sei Schulen allerdings aufgrund der Schulpflicht nicht etabliert. Aus einer wissensoziologischen Perspektive gehen Michaela Pfadenhauer und Achim Broziewskie davon aus, dass Professionen vor allem als Lösungsverwaltungen zu verstehen seien. „Professionelle lassen sich demnach als Akteure verstehen, die Probleme, mit den sie sich auseinandersetzen, so zu definieren vermögen, dass diese eben möglichst weitgehend den Lösungen entsprechen, über die sie (je professionell) verfügen“ (S.82).
Der dritte Teil beschäftigt sich mit dem Verhältnis von Kommunikation und Entscheidung. Hier analysiert zum Beispiel Harm Kuper den aktuell auf Schulen einwirkenden Veränderungsdruck aus einer systemtheoretischen Perspektive. Zunächst werden die Kommunikations- und Entscheidungsprozesse in einer „bürokratischen Schule“ in den Blick genommen um anschließend die potentielle Veränderung dieser Prozesse in einer „autonomen Schule (S. 155) zu reflektieren.
Im vierten Teil werden die Konsequenzen für die Anforderungen von Schulentwicklung und Lehrerprofessionalität reflektiert. Wolfgang Böttcher beschäftigt sich beispielsweise mit der Einführung von Bildungsstandards und deren Auswirkungen auf Outputqualität und Lehrerprofessionalität. Er kommt zu dem Schluss, dass klare starke Standards durchaus positive Einflüsse auf Organisation und Professionalität von Schule und Lehrenden haben könnten, dass allerdings die gesetzten Standards zu diffus und schwach seien und damit eine Professionalisierung eher behindern als fördern.
Im fünften und letzten Teil steht das Verhältnis von organisatorischen Machbarkeitsvisionen und professionellen Ungewissheiten im Vordergrund. Mit der Frage, wie Berufseinsteiger in Österreich in das System Schule integriert werden, beschäftigt sich Angelika Paseka anhand einer empirischen Studie. Es wird deutlich, dass die „Junglehrer“ nach ihrem Studium in ein ganz neues Lernfeld eintreten, dass sich vor allem durch (implizite) machtstrategische Auseinandersetzungen mit dem alteingesessenen und etablierten Kollegium in der Schule auszeichnet.
Der Sammelband bietet einen guten Überblick das Thema Organisation und Professionalität in der Schule und besticht vor allem durch die in den Beiträgen vertretenen unterschiedlichen theoretischen Perspektiven, die einen multidimensionalen Einstieg in das Thema ermöglichen.
Werner Helsper, Susann Busse, Merle Hummrich, Rolf-Torsten Kramer (Hg.) (2008): Pädagogische Professionalität in Organisation. Neue Verhältnisbestimmungen am Beispiel der Schule, VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden, 279 Seiten, ISBN 978-3-531-14860-1, 29,90€.
In dem Sammelband, der auf eine Fachtagung zum Thema zurückgeht, wird aus verschiedenen theoretischen Perspektiven die Frage nach dem Verhältnis von Organisation und Profession am Beispiel der Schule in den Blick genommen. Dazu werden in einem einführenden Beitrag durch die Herausgebenden zunächst die langjährigen Diskussionen um dieses Verhältnis nachgezeichnet, in welchen auch die Frage impliziert wird, wie eine pädagogische Organisation aussehen könnte. Hier wird im historischen Verlauf der Diskussion ein Schwanken zwischen der Orientierung an Max Webers Bürokratiemodell und der Orientierung an Karl Weicks Modell der lose gekoppelten Systeme deutlich. Anschließend führen die Herausgebenden in die Gliederung des Sammelbandes und in die einzelnen Beiträge verschiedener Autorinnen und Autoren ein.
Im ersten Teil des Bandes stehen systematische und historische Perspektiven im Vordergrund. So nimmt Hartmut Wenzel Ewald Tenorths Argumentation von 1986 zum Ausgangspunkt seiner Überlegungen. Tenorth ging schon damals von der Eigenständigkeit pädagogischer Organisationen mit unverwechselbaren Subkulturen aus. Wenzel zeichnet nun in seinen Beitrag dies unter Bezugnahme auf die neuren Diskussionen nach. Bernd Zymek befasst sich in seinem Beitrag mit dem Bologna-Prozess und beschreibt anhand dieser Entwicklung die Tektonik des deutschen Bildungssystems und den sich aus der Bolognareform ergebenen Strukturwandel für die Lehrerbildung.
Sozialwissenschaftliche Ansätze zum Verhältnis von Profession und Organisation werden im zweiten Teil in den Blick genommen. Aus einer strukturtheoretischen Perspektive reflektiert Ulrich Oevermann das Verhältnis von Krise und Routine (vgl. S. 57) vor dem Kontext pädagogischer Professionalität. Diese sei Schulen allerdings aufgrund der Schulpflicht nicht etabliert. Aus einer wissensoziologischen Perspektive gehen Michaela Pfadenhauer und Achim Broziewskie davon aus, dass Professionen vor allem als Lösungsverwaltungen zu verstehen seien. „Professionelle lassen sich demnach als Akteure verstehen, die Probleme, mit den sie sich auseinandersetzen, so zu definieren vermögen, dass diese eben möglichst weitgehend den Lösungen entsprechen, über die sie (je professionell) verfügen“ (S.82).
Der dritte Teil beschäftigt sich mit dem Verhältnis von Kommunikation und Entscheidung. Hier analysiert zum Beispiel Harm Kuper den aktuell auf Schulen einwirkenden Veränderungsdruck aus einer systemtheoretischen Perspektive. Zunächst werden die Kommunikations- und Entscheidungsprozesse in einer „bürokratischen Schule“ in den Blick genommen um anschließend die potentielle Veränderung dieser Prozesse in einer „autonomen Schule (S. 155) zu reflektieren.
Im vierten Teil werden die Konsequenzen für die Anforderungen von Schulentwicklung und Lehrerprofessionalität reflektiert. Wolfgang Böttcher beschäftigt sich beispielsweise mit der Einführung von Bildungsstandards und deren Auswirkungen auf Outputqualität und Lehrerprofessionalität. Er kommt zu dem Schluss, dass klare starke Standards durchaus positive Einflüsse auf Organisation und Professionalität von Schule und Lehrenden haben könnten, dass allerdings die gesetzten Standards zu diffus und schwach seien und damit eine Professionalisierung eher behindern als fördern.
Im fünften und letzten Teil steht das Verhältnis von organisatorischen Machbarkeitsvisionen und professionellen Ungewissheiten im Vordergrund. Mit der Frage, wie Berufseinsteiger in Österreich in das System Schule integriert werden, beschäftigt sich Angelika Paseka anhand einer empirischen Studie. Es wird deutlich, dass die „Junglehrer“ nach ihrem Studium in ein ganz neues Lernfeld eintreten, dass sich vor allem durch (implizite) machtstrategische Auseinandersetzungen mit dem alteingesessenen und etablierten Kollegium in der Schule auszeichnet.
Der Sammelband bietet einen guten Überblick das Thema Organisation und Professionalität in der Schule und besticht vor allem durch die in den Beiträgen vertretenen unterschiedlichen theoretischen Perspektiven, die einen multidimensionalen Einstieg in das Thema ermöglichen.
Lia - am 26. März 2008, 19:51 - Rubrik: Rezensionen
Gestern bin ich sehr angeregt vom zbbs Workshop an der Uni Magdeburg wiedergekommen.
Dieser Methodenworkshop besteht seit über 10 Jahr und jährlich wächst die Zahl der Teilnehmenden.
Das Besondere an diesem Workshop ist, dass hier nicht Forschungsergebnisse vorgestellt, sondern vielmehr der Forschungsprozess selbst offen gelegt wird. Dazu wird in unterschiedlichen Workshops gearbeitet in denen das Datenmaterial der aktiven Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutiert wird. Die Arbeitsgruppen werden jeweils von erfahrenen Forschenden geleitet.
Ich war dieses Jahr zum ersten Mal als Aktive mit dabei und war in einem kleinen Workshop mit einer optimalen Arbeitsgröße und mit zwei hervorragenden und kompetenten Leiterinnen, Karin Bock und Ingrid Miethe. Andere Workshops waren zum Teil sehr groß, wie zum Beispiel die von Ralf Bohnsack oder Fritz Schütze, hier erhielten die Workshops eher den Charakter von Seminarsituationen.
Insgesamt ist der zbbs Workshop unbedingt zu empfehlen, da man nicht nur inhaltlich angeregt wird, sondern auch viele Gleichgesinnte mit ähnlichen Forschungsproblemen und Fragen trifft und die Möglichkeit hat, viele bekannte empirisch forschende Erziehungswissenschaftlerinnen live zu erleben.
Dieser Methodenworkshop besteht seit über 10 Jahr und jährlich wächst die Zahl der Teilnehmenden.
Das Besondere an diesem Workshop ist, dass hier nicht Forschungsergebnisse vorgestellt, sondern vielmehr der Forschungsprozess selbst offen gelegt wird. Dazu wird in unterschiedlichen Workshops gearbeitet in denen das Datenmaterial der aktiven Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutiert wird. Die Arbeitsgruppen werden jeweils von erfahrenen Forschenden geleitet.
Ich war dieses Jahr zum ersten Mal als Aktive mit dabei und war in einem kleinen Workshop mit einer optimalen Arbeitsgröße und mit zwei hervorragenden und kompetenten Leiterinnen, Karin Bock und Ingrid Miethe. Andere Workshops waren zum Teil sehr groß, wie zum Beispiel die von Ralf Bohnsack oder Fritz Schütze, hier erhielten die Workshops eher den Charakter von Seminarsituationen.
Insgesamt ist der zbbs Workshop unbedingt zu empfehlen, da man nicht nur inhaltlich angeregt wird, sondern auch viele Gleichgesinnte mit ähnlichen Forschungsproblemen und Fragen trifft und die Möglichkeit hat, viele bekannte empirisch forschende Erziehungswissenschaftlerinnen live zu erleben.
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Diese Rezension wurde auch im bildungsblog veröffentlicht. Aus diesem Grund habe ich hier die Kommentare geschlossen und bitte darum, im Bildungsblog zu kommentieren. Danke!
Achim Volkers (2008): Wissen und Bildung bei Foucault, Aufklärung zwischen Wissenschaft und ethisch-ästhetischen Bildungsprozessen, VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden, 157 Seiten, ISBN: 978-3-531-15484-8, 24,90 €
Achim Volkers verfolgt in seiner Monographie die Frage nach dem Verhältnis zwischen Foucaults Subjektphilosophie und den darin implizierten Vorstellungen von Wissen auf der einen und Bildung auf der anderen Seite. So ist das Buch in drei entsprechende Teile untergliedert.
Zunächst widmet sich Volkers Foucaults Subjektphilosophie. Er reflektiert diesen Subjektbegriff vor verschiedenen Hintergründen. Zunächst beschäftigt er sich mit der Frage nach den Wechselwirkungen von Macht und Subjekt. Im Anschluss daran reflektiert er Foucaults Subjekttheorie im Kontext einer sich auf Nietzsche beziehenden Moralphilosophie. In den letzten Abschnitten setzt sich der Autor mit Anthropologie und Humanismus auf der einen und Aufklärung auf der anderen Seite auseinander. Er beschäftigt sich hier mit Foucaults Kritik an einer humanistischen Denktradition und darüber hinaus spielt im Kontext der Aufklärung die Frage „Was ist Kritik?“ selbst eine Rolle.
Im zweiten Teil der Arbeit geht Volkers auf professionelles Wissen ein und bezieht dabei sowohl Foucaults Machtanalytische als auch Diskursanalytische Perspektiven mit ein. Nach einer kurzen Einführung in Foucaults Machtanalytik, die er vor einem sozialpädagogischen Hintergrund interpretiert, beschreibt der Autor Macht als Führung und nimmt damit Bezug auf einen gouvernementalitätsanalytischen Ansatz. Im Anschluss daran bezieht sich Volkers auf das Feld der Erziehungswissenschaft und setzt sich hier besonders mit dem Theorie Praxis Verhältnis auseinander.
Der dritte Teil der Arbeit ist dem Konzept der Selbstsorge gewidmet. Volkers setzt sich hier zum Ziel, Foucault Subjektphilosophie als Bildungsphilosophie zu interpretieren. Nach einer ausführlichen und kritischen Rekonstruktion des hellenistischen Selbstsorgekonzepts reflektiert er Foucaults Äußerungen vor dem Kontext von ethisch-ästhetischen Bildungsprozessen.
Der Aufbau des Buches ist an manchen Stellen etwas verwirrend, da Überschriften nicht immer mit inhaltlichen Absätzen übereinstimmen. Der Autor stellt Foucaults Arbeiten stellenweise nebeneinander und interpretiert chronologisch frühere Schriften als Irrwege „(…) nachdem sich seine frühere Machtanalytik, die als Mikrophysik der Macht“ bekannt geworden ist, als Sackgasse erwiesen hatte“ (S. 67). Das Zusammenspiel zwischen souveränen, juridischen, disziplinarischen und gouvernmentalen Machtpraktiken, die Foucault gerade in den Vorlesungen zur Geschichte der Gouvernementalität herausarbeitet, wird nicht in Betracht gezogen. So bleibt die Interpretation von Foucaults machtanalytischer Perspektive hinter den Ausführung im aktuellen wissenschaftlichen Diskurs zurück.
Julia Franz
Achim Volkers (2008): Wissen und Bildung bei Foucault, Aufklärung zwischen Wissenschaft und ethisch-ästhetischen Bildungsprozessen, VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden, 157 Seiten, ISBN: 978-3-531-15484-8, 24,90 €
Achim Volkers verfolgt in seiner Monographie die Frage nach dem Verhältnis zwischen Foucaults Subjektphilosophie und den darin implizierten Vorstellungen von Wissen auf der einen und Bildung auf der anderen Seite. So ist das Buch in drei entsprechende Teile untergliedert.
Zunächst widmet sich Volkers Foucaults Subjektphilosophie. Er reflektiert diesen Subjektbegriff vor verschiedenen Hintergründen. Zunächst beschäftigt er sich mit der Frage nach den Wechselwirkungen von Macht und Subjekt. Im Anschluss daran reflektiert er Foucaults Subjekttheorie im Kontext einer sich auf Nietzsche beziehenden Moralphilosophie. In den letzten Abschnitten setzt sich der Autor mit Anthropologie und Humanismus auf der einen und Aufklärung auf der anderen Seite auseinander. Er beschäftigt sich hier mit Foucaults Kritik an einer humanistischen Denktradition und darüber hinaus spielt im Kontext der Aufklärung die Frage „Was ist Kritik?“ selbst eine Rolle.
Im zweiten Teil der Arbeit geht Volkers auf professionelles Wissen ein und bezieht dabei sowohl Foucaults Machtanalytische als auch Diskursanalytische Perspektiven mit ein. Nach einer kurzen Einführung in Foucaults Machtanalytik, die er vor einem sozialpädagogischen Hintergrund interpretiert, beschreibt der Autor Macht als Führung und nimmt damit Bezug auf einen gouvernementalitätsanalytischen Ansatz. Im Anschluss daran bezieht sich Volkers auf das Feld der Erziehungswissenschaft und setzt sich hier besonders mit dem Theorie Praxis Verhältnis auseinander.
Der dritte Teil der Arbeit ist dem Konzept der Selbstsorge gewidmet. Volkers setzt sich hier zum Ziel, Foucault Subjektphilosophie als Bildungsphilosophie zu interpretieren. Nach einer ausführlichen und kritischen Rekonstruktion des hellenistischen Selbstsorgekonzepts reflektiert er Foucaults Äußerungen vor dem Kontext von ethisch-ästhetischen Bildungsprozessen.
Der Aufbau des Buches ist an manchen Stellen etwas verwirrend, da Überschriften nicht immer mit inhaltlichen Absätzen übereinstimmen. Der Autor stellt Foucaults Arbeiten stellenweise nebeneinander und interpretiert chronologisch frühere Schriften als Irrwege „(…) nachdem sich seine frühere Machtanalytik, die als Mikrophysik der Macht“ bekannt geworden ist, als Sackgasse erwiesen hatte“ (S. 67). Das Zusammenspiel zwischen souveränen, juridischen, disziplinarischen und gouvernmentalen Machtpraktiken, die Foucault gerade in den Vorlesungen zur Geschichte der Gouvernementalität herausarbeitet, wird nicht in Betracht gezogen. So bleibt die Interpretation von Foucaults machtanalytischer Perspektive hinter den Ausführung im aktuellen wissenschaftlichen Diskurs zurück.
Julia Franz
Lia - am 30. Januar 2008, 09:44 - Rubrik: Rezensionen
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Rezension: Hermann Forneck, Mathilde Gyger, Christiane Maier Reinhard (Hg.) (2006): Selbstlernarchitekturen und Lehrerbildung. Zur inneren Modernisierung von Lehrerbildung, 341 Seiten, EURO 29.00, hep Verlag, Bern, ISBN 978-3-03905-233-2
In diesem Sammelband beschäftigen sich verschiedene Autorinnen mit hochschuldidaktischen Fragen der Lehrerbildung. Alle Beiträge sind vor dem Hintergrund des Entwicklungs- und Forschungsprojekte „@rs Architekturen des Selbstlernens“ der Pädagogischen Hochschule der Nordwestschweiz entstanden.
Im ersten Teil gibt Hermann Forneck, der sich schon lange mit der Gestaltung von Selbstlernarchitekturen auseinandersetzt (vgl. den Giessener Weiterbildungsstudiengang QINEB), eine Einführung in die Thematik aus einer modernisierungstheoretischen Perspektive. Er beschreibt Lernen auch als gesellschaftliche Reproduktionspraktik und wählt damit einen anspruchsvollen Zugang, der es möglichen macht, Lern- und Ausbildungsprozesse auch im Kontext gesellschaftlicher Machtpraktiken zu analysieren und zu interpretieren.
Der zweite Teil beschäftigt sich mit der konkreten Ausgestaltung der Selbstlernarchitekturen in der Lehrerinnenbildung in der Nordwestschweiz. Hier führt Forneck wieder in die Thematik ein, allerdings diesmal unter der Perspektive seines an Michel Foucault orientierten Konzept des Selbstsorgenden Lernens. Im Mittelpunkt des Konzeptes steht die Bewusstwerdung und Reflexivität des eigenen Lernens, die durch verschiedene Lernpraktiken initiiert werden sollen. Anschließend stellt Forneck die zentralen Steuerungselemente der Selbstlernarchitektur vor und leitet somit zu den praktisch orientierten Beiträgen über.
So beschreibt beispielsweise zunächst Christiane Maier Reinhard das @rs Projekt vor dem Hintergrund der flexiblen Ausbildung von Primarlehrkräften in der Schweiz. Nach dieser Einführung in das Projekt folgen anschauliche Beschreibungen der Steuerungsinstrumente der Selbstlernarchitektur, wie einer Eingangsinszenierung (Felix Bertschin/Christiane Maier Reinhard), oder der Lernberatung (Barbara Ryter Krebs). Die inhaltliche Ausgestaltung wird von Victor Müller-Opplinger in den Blick genommen. So beschreibt er die Architekturen zu den Themen „Individualisierung“ und „Neue Lernkulturen“.
Die Beiträge des dritten Teils beschreiben nun sehr anschaulich die sieben verschiedenen Abteilungen der Selbstlernarchitektur. Beispielsweise beschreibt Mathilde Geiger die Operationalisierung des Faches Deutsch oder Ernst Röthlisberger die des Faches Mathematik. Alle Beiträge haben hier einen ähnlichen Aufbau, der wiederum das Verständnis für die Struktur der einzelnen Abteilungen erleichtert.
Die Struktur und Gliederung des Sammelbandes ist sehr stringent. Die theoretischen Einführungen und Einbettungen sind anspruchsvoll und an einigen Stellen vorraussetzungsreich. Die anderen beiden Teile sind gerade durch ihre Struktur leicht nachvollziehbar und können praktische didaktische Anregungen bieten. Insgesamt bietet das Buch einen guten Einstieg in ein innovatives Konzept von Selbstlernarchitekturen und steht damit nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch im Kontext einer neuen Lernkultur.
Julia Franz
Rezension: Hermann Forneck, Mathilde Gyger, Christiane Maier Reinhard (Hg.) (2006): Selbstlernarchitekturen und Lehrerbildung. Zur inneren Modernisierung von Lehrerbildung, 341 Seiten, EURO 29.00, hep Verlag, Bern, ISBN 978-3-03905-233-2
In diesem Sammelband beschäftigen sich verschiedene Autorinnen mit hochschuldidaktischen Fragen der Lehrerbildung. Alle Beiträge sind vor dem Hintergrund des Entwicklungs- und Forschungsprojekte „@rs Architekturen des Selbstlernens“ der Pädagogischen Hochschule der Nordwestschweiz entstanden.
Im ersten Teil gibt Hermann Forneck, der sich schon lange mit der Gestaltung von Selbstlernarchitekturen auseinandersetzt (vgl. den Giessener Weiterbildungsstudiengang QINEB), eine Einführung in die Thematik aus einer modernisierungstheoretischen Perspektive. Er beschreibt Lernen auch als gesellschaftliche Reproduktionspraktik und wählt damit einen anspruchsvollen Zugang, der es möglichen macht, Lern- und Ausbildungsprozesse auch im Kontext gesellschaftlicher Machtpraktiken zu analysieren und zu interpretieren.
Der zweite Teil beschäftigt sich mit der konkreten Ausgestaltung der Selbstlernarchitekturen in der Lehrerinnenbildung in der Nordwestschweiz. Hier führt Forneck wieder in die Thematik ein, allerdings diesmal unter der Perspektive seines an Michel Foucault orientierten Konzept des Selbstsorgenden Lernens. Im Mittelpunkt des Konzeptes steht die Bewusstwerdung und Reflexivität des eigenen Lernens, die durch verschiedene Lernpraktiken initiiert werden sollen. Anschließend stellt Forneck die zentralen Steuerungselemente der Selbstlernarchitektur vor und leitet somit zu den praktisch orientierten Beiträgen über.
So beschreibt beispielsweise zunächst Christiane Maier Reinhard das @rs Projekt vor dem Hintergrund der flexiblen Ausbildung von Primarlehrkräften in der Schweiz. Nach dieser Einführung in das Projekt folgen anschauliche Beschreibungen der Steuerungsinstrumente der Selbstlernarchitektur, wie einer Eingangsinszenierung (Felix Bertschin/Christiane Maier Reinhard), oder der Lernberatung (Barbara Ryter Krebs). Die inhaltliche Ausgestaltung wird von Victor Müller-Opplinger in den Blick genommen. So beschreibt er die Architekturen zu den Themen „Individualisierung“ und „Neue Lernkulturen“.
Die Beiträge des dritten Teils beschreiben nun sehr anschaulich die sieben verschiedenen Abteilungen der Selbstlernarchitektur. Beispielsweise beschreibt Mathilde Geiger die Operationalisierung des Faches Deutsch oder Ernst Röthlisberger die des Faches Mathematik. Alle Beiträge haben hier einen ähnlichen Aufbau, der wiederum das Verständnis für die Struktur der einzelnen Abteilungen erleichtert.
Die Struktur und Gliederung des Sammelbandes ist sehr stringent. Die theoretischen Einführungen und Einbettungen sind anspruchsvoll und an einigen Stellen vorraussetzungsreich. Die anderen beiden Teile sind gerade durch ihre Struktur leicht nachvollziehbar und können praktische didaktische Anregungen bieten. Insgesamt bietet das Buch einen guten Einstieg in ein innovatives Konzept von Selbstlernarchitekturen und steht damit nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch im Kontext einer neuen Lernkultur.
Julia Franz
Lia - am 3. Dezember 2007, 12:19 - Rubrik: Rezensionen
Diese Rezension wurde auch im bildungsblog veröffentlicht. Aus diesem Grund habe ich hier die Kommentare geschlossen und bitte darum, im Bildungsblog zu kommentieren. Danke!
Susanne Krasmann, Michael Volkmer (Hg.) (2007): Michel Foucaults "Geschichte der Gouvernementalität" in den Sozialwissenschaften - Internationale Beiträge, 314 Seiten, transcript Verlag, 28,80 €, ISBN: 978-3-89942-488-1
Dieser neu erschienene Sammelband lässt sich als internationaler und mehrdimensionaler Kommentar zu den 2004 veröffentlichten Vorlesungen von Michel Foucault „Geschichte der Gouvernementalität“ (Sicherheit, Territorium, Bevölkerung und die Geburt der Biopolitik) lesen.
Der Sammelband folgt einer logischen und stringenten Dreiteilung.
So bieten die Beiträge des ersten Teils einen Überblick über Foucaults Arbeiten aus der Perspektive der „Staatsfrage“. Die Autoren Thomas Lemke, Martin Saar und Mitchel Dean verfolgen die Vorlesungen Foucaults auf der Spur seines Staatsbegriffes. Alle drei Autoren machen in ihren jeweiligen Beiträgen deutlich, dass Foucault nicht – wie häufig vorgeworfen – den Staat vernachlässige, sondern, dass er vielmehr dezidiert die Prozeduren und Strukturen in den Blick nimmt, die den Staat erst konstruieren, in denen er sich kristallisiert.
Der zweite Teil des Sammelbandes stellt die Gouvernementalität zwischen Souveränität und Biopolitik in den Mittelpunkt. Alle Beiträge zielen darauf, deutlich zu machen, dass Foucault keinen linearen Dreischritt von der Souveränität über die Disziplin hin zur Gouvernementalität propagiert habe, sondern, dass dies drei Formen von Macht sind, die heuristisch gut zu unterscheiden sind, in der Empirie jedoch ineinander übergehen. Anne Caldwell setzt sich beispielsweise in diesem Teil mit der Frage auseinander, inwiefern nicht staatliche Akteure wie NGOs den „Human Rights Complex“ regieren. Susanne Krassmann und Sven Opitz bringen in ihrem Beitrag Foucaults Machtanalytik mit der Systemtheorie von Niklas Luhmann anhand der unterschiedlichen Gebräuche der Begriffe Inklusion und Exklusion zusammen, um so deutlich zu machen, das gesellschaftliche Exklusionen systemimmanente Bestandteile von modernen Gesellschaftsystemen sind.
Die Beiträge des dritten Teils stehen im Kontext von „Gouvernementalität und Neoliberalismus“. Jan-Otmar Hesse skizziert die aktuelle historische Forschung zum deutschen Ordoliberalismus und vergleicht diese mit Foucaults Perspektive. Mit einer kritischen Reflexion der Heterogenität der »governmentality studies« beginnen Sophia Prinz und Ulf Wuggening ihren Beitrag. Anschließend stellen sie vor dem Hintergrund der Bologna Reform heraus, dass hier mit neoliberalistischen Steuerungsvorstellungen eine zunehmende Bürokratisierung innerhalb der Universitäten einhergehe.
Der Sammelband eröffnet eine Reihe von anregenden Perspektiven zu Foucaults viel beachteter Vorlesungsreihe, vor allem, da hier zum einen unterschiedliche wissenschaftliche Disziplinen zu Wort kommen und zum anderen fließen darüber hinaus auch verschiedene internationale Blickrichtungen in den Sammelband ein. Dadurch bekommt das Buch einen sehr angenehme Perspektivenvielfalt.
Julia Franz
Susanne Krasmann, Michael Volkmer (Hg.) (2007): Michel Foucaults "Geschichte der Gouvernementalität" in den Sozialwissenschaften - Internationale Beiträge, 314 Seiten, transcript Verlag, 28,80 €, ISBN: 978-3-89942-488-1
Dieser neu erschienene Sammelband lässt sich als internationaler und mehrdimensionaler Kommentar zu den 2004 veröffentlichten Vorlesungen von Michel Foucault „Geschichte der Gouvernementalität“ (Sicherheit, Territorium, Bevölkerung und die Geburt der Biopolitik) lesen.
Der Sammelband folgt einer logischen und stringenten Dreiteilung.
So bieten die Beiträge des ersten Teils einen Überblick über Foucaults Arbeiten aus der Perspektive der „Staatsfrage“. Die Autoren Thomas Lemke, Martin Saar und Mitchel Dean verfolgen die Vorlesungen Foucaults auf der Spur seines Staatsbegriffes. Alle drei Autoren machen in ihren jeweiligen Beiträgen deutlich, dass Foucault nicht – wie häufig vorgeworfen – den Staat vernachlässige, sondern, dass er vielmehr dezidiert die Prozeduren und Strukturen in den Blick nimmt, die den Staat erst konstruieren, in denen er sich kristallisiert.
Der zweite Teil des Sammelbandes stellt die Gouvernementalität zwischen Souveränität und Biopolitik in den Mittelpunkt. Alle Beiträge zielen darauf, deutlich zu machen, dass Foucault keinen linearen Dreischritt von der Souveränität über die Disziplin hin zur Gouvernementalität propagiert habe, sondern, dass dies drei Formen von Macht sind, die heuristisch gut zu unterscheiden sind, in der Empirie jedoch ineinander übergehen. Anne Caldwell setzt sich beispielsweise in diesem Teil mit der Frage auseinander, inwiefern nicht staatliche Akteure wie NGOs den „Human Rights Complex“ regieren. Susanne Krassmann und Sven Opitz bringen in ihrem Beitrag Foucaults Machtanalytik mit der Systemtheorie von Niklas Luhmann anhand der unterschiedlichen Gebräuche der Begriffe Inklusion und Exklusion zusammen, um so deutlich zu machen, das gesellschaftliche Exklusionen systemimmanente Bestandteile von modernen Gesellschaftsystemen sind.
Die Beiträge des dritten Teils stehen im Kontext von „Gouvernementalität und Neoliberalismus“. Jan-Otmar Hesse skizziert die aktuelle historische Forschung zum deutschen Ordoliberalismus und vergleicht diese mit Foucaults Perspektive. Mit einer kritischen Reflexion der Heterogenität der »governmentality studies« beginnen Sophia Prinz und Ulf Wuggening ihren Beitrag. Anschließend stellen sie vor dem Hintergrund der Bologna Reform heraus, dass hier mit neoliberalistischen Steuerungsvorstellungen eine zunehmende Bürokratisierung innerhalb der Universitäten einhergehe.
Der Sammelband eröffnet eine Reihe von anregenden Perspektiven zu Foucaults viel beachteter Vorlesungsreihe, vor allem, da hier zum einen unterschiedliche wissenschaftliche Disziplinen zu Wort kommen und zum anderen fließen darüber hinaus auch verschiedene internationale Blickrichtungen in den Sammelband ein. Dadurch bekommt das Buch einen sehr angenehme Perspektivenvielfalt.
Julia Franz
Lia - am 2. Dezember 2007, 13:49 - Rubrik: Rezensionen
Ich kann wirklich nicht behaupten, als Nachwuchswissenschaftlerin zu wenig rum zu kommen. Wirklich nicht.
Und es ist schon sehr interessant wie viele verschiedene Erfahrungen man gerade auf internationalen Tagungen machen kann. Am Wochenende fand die Konferenz Developments Futures an der Universität von Irland in Galway statt. Dort hatte ich Gelegenheit, das Projekt Generationen lernen gemeinsam: Nachhaltigkeit, das ich wissenschaftlich begleite, vorzustellen.
Die Tagung stellte sowohl politische als auch pädagogische Herausforderungen der Development Education heraus und sorgte so für ein breites und variationsreiches Spannungsfeld.
Am meisten hat mich der letzte Redner, der indische Journalist Palagummi Sainath beeindruckt. Er hielt eine brilliante - wenn auch etwas polemische - Rede über die wachsende Ungleichheit in einer globalisierten Welt.
Und es ist schon sehr interessant wie viele verschiedene Erfahrungen man gerade auf internationalen Tagungen machen kann. Am Wochenende fand die Konferenz Developments Futures an der Universität von Irland in Galway statt. Dort hatte ich Gelegenheit, das Projekt Generationen lernen gemeinsam: Nachhaltigkeit, das ich wissenschaftlich begleite, vorzustellen.
Die Tagung stellte sowohl politische als auch pädagogische Herausforderungen der Development Education heraus und sorgte so für ein breites und variationsreiches Spannungsfeld.
Am meisten hat mich der letzte Redner, der indische Journalist Palagummi Sainath beeindruckt. Er hielt eine brilliante - wenn auch etwas polemische - Rede über die wachsende Ungleichheit in einer globalisierten Welt.
Lia - am 28. November 2007, 11:06 - Rubrik: ahh, se tre scholie
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Ich schreib einfach mal wieder hier was rein. Schon erschreckend, die laange Zeit des nicht-bloggens. Wobei ich ja noch nie eine sehr regelmäßige Schreiberin diesbezüglich war. Aber nun ja, von außen implizierte und von mir aktiv gestaltete Selbsttechnologien erschweren das Schreiben im Blog, während das Schreiben von Artikeln dadurch vereinfacht zu sein scheint. Also gilt es die eigenen Selbstpraktiken auszutricken, ihnen ein Schnippchen zu schlagen und einfach zunächst mal wieder thematisch zu schreiben anfangen.
So entstand ja erst die Idee zu diesem Blog... Ziel war es, den Prozess des Schreibens meiner Diplomarbeit zum Thema Macht, Gouvernementalität und Erwachsenenbildung zu begleiten. Vielleicht gelingt über dieses Thema ein "Restart", so die Überlegung, die Theorie, mal sehn wie es sich in der Praxis zeigen wird.
Vor kurzem bin ich über die Veröffentlichung von Susanne Krasmann und Michael Volkmer (Hg.) "Michel Foucaults Geschichte der Gouvernementalität" gestoßen. Hier kommentieren verschiedene internationale Autor(inn)en die 2004 veröffentlichen Vorlesungen von Foucault. Ich bin gerade dabei es zu lesen und schon die ersten grundlegen Beiträge von Saar, Lemke und Dean beschäftigen sich dezidiert mit der immer wieder gestellten "Staatsfrage". Inwiefern Foucault in seinen Analysen den Staat, oder besser die Abstraktion "Staat" einbezieht machen die genannten Autoren anschaulich deutlich.
Ich bin gespannt wie dies in den anderen Beiträgen aus verschiedenen Perspektiven behandelt wird...
So entstand ja erst die Idee zu diesem Blog... Ziel war es, den Prozess des Schreibens meiner Diplomarbeit zum Thema Macht, Gouvernementalität und Erwachsenenbildung zu begleiten. Vielleicht gelingt über dieses Thema ein "Restart", so die Überlegung, die Theorie, mal sehn wie es sich in der Praxis zeigen wird.
Vor kurzem bin ich über die Veröffentlichung von Susanne Krasmann und Michael Volkmer (Hg.) "Michel Foucaults Geschichte der Gouvernementalität" gestoßen. Hier kommentieren verschiedene internationale Autor(inn)en die 2004 veröffentlichen Vorlesungen von Foucault. Ich bin gerade dabei es zu lesen und schon die ersten grundlegen Beiträge von Saar, Lemke und Dean beschäftigen sich dezidiert mit der immer wieder gestellten "Staatsfrage". Inwiefern Foucault in seinen Analysen den Staat, oder besser die Abstraktion "Staat" einbezieht machen die genannten Autoren anschaulich deutlich.
Ich bin gespannt wie dies in den anderen Beiträgen aus verschiedenen Perspektiven behandelt wird...
Lia - am 14. November 2007, 19:54 - Rubrik: governing thoughts
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Diese Rezension wurde auch im Bildungsblog veröffentlicht. Aus diesem Grund habe ich hier die Kommentare geschlossen und bitte darum, im Bildungsblog zu kommentieren. Danke!
Rezension: Reinhold Knopp, Karin Nell (Hg.) (2007): Keywork – Neue Wege in der Kultur- und Bildungsarbeit mit Älteren, transcript Verlag, Bielefeld, 24,80 € ISBN: 978-3-89942-678-6
Der Sammelband „Keywork“ eröffnet verschiedene Perspektiven auf die aktuellen Entwicklungen in der Kultur- und Bildungsarbeit mit Älteren. Die ältere Generation verfüge über ein hohes Maß an Ressourcen, die für Ehrenamt und Engagement genutzt – aber nicht instrumentalisiert werden sollen, wie die Herausgeber in ihrem einführenden Beitrag herausstellen. Sie stellen Keywork als Alternative zum klassischen Ehrenamt in der Seniorenarbeit dar (S. 12) und zeigen dies anhand von verschiedenen Praxisbeispielen. Die Veröffentlichung gliedert sich in drei unterschiedliche Teile, von denen sich im ersten im theoretischen Fundierungen und Grundlagen auseinandergesetzt wird. Im zweiten und größten Teil steht die „Keywork in der Praxis“ im Mittelpunkt und im letzten Teil werden Keywork und Stadtteilarbeit in Bezie-hung gesetzt.
Im ersten grundlagentheoretischen Beitrag definiert Roman Schanner, was unter einem Key-worker – vor allem im Bereich der musealen Bildungs- und Kulturarbeit – zu verstehen sei. „Ein Keyworker im engsten Sinne der Definition hingegen sollte optimalerweise selbst Mitglied einer als Zielgruppe zu gewinnenden, sozialen Gruppe sein. (…) Die Keyworker besitzen sozusagen den »Schlüssel«, um ihrem eigenen sozialen Umfeld in adäquater »Sprache« und Form museale Inhalte zugänglich zu machen“ (S. 25). Sie sind demnach Vermittler zwischen den Kulturbetrieben und verschiedenen sozialen Milieus, die bislang nicht zu den klas-sischen Zielgruppen gehörten. In einem weiteren theoretischen Beitrag verweist Reinhold Knopp darauf, dass kulturelle Kompetenz ein Schlüssel für gesellschaftliche Wirksamkeit und Teilhabe bis ins hohe Alter hinein darstellt.
Der zweite – an der Keywork-Praxis orientierte – Teil der Veröffentlichung beginnt mit einem Beitrag von Karin Nell, die zunächst den Weg von der Netzwerkarbeit zum Keywork-Programm skizziert. Vor diesem Hintergrund stellt sie theoretische Grundlagen der Fortbildungsarbeit für Keyworker dar und orientiert sich dabei stark an Peter M. Senges Theorie der lernenden Organisation. Nell bezieht sich weiterhin, wie auch andere Autorinnen und Autoren des Sammelbandes, auf den Kapitalbegriff von Pierre Bourdieu. Keywork stehe hier an der Schnittstelle zwischen kulturellem und sozialem Kapital.
In einem anderen Beitrag des Praxisteils stellen Karin Nell und Ute Frank das Grundmodell des Kulturführerscheins® dar, der unter der Federführung der Diakonie in Düsseldorf entwickelt wurde. Die detaillierte Beschreibung der Entwicklung des Fortbildungskonzeptes bietet vielerlei Anschlussmöglichkeiten. Aus diesem Projekt heraus haben sich weitere kleinere Pro-jekte entwickelt. So zum Beispiel das von Ute Frank beschriebene Projekt Kultur auf Rädern, bei welchem Kultur als „Lebensmittel“ in die Privatwohnungen von Älteren oder in Seniorenheime gebracht wird. Ein Beitrag von Günter Friedeler beschäftigt sich mit dem Kultur-zentrum der Generationen im Jungen Schauspielhaus in Düsseldorf, bei welchem Ältere ihre Erfahrungen und Kompetenzen an benachteiligte Jugendliche und Kinder weitergeben.
Im letzten Teil steht die Verbindung zur Stadtteilarbeit im Mittelpunkt. Beispielsweise be-schreibt hier Heike Schwalm das Düsseldorfer Projekt PLATZDA. Hier geht es darum, mit partizipativen Methoden als Bürgerinnen und Bürger gemeinsam über die Raumnutzung bestimmter Orte zu diskutieren und Veränderungen anzustoßen.
Die Beiträge des Sammelbandes spiegeln vor allem die Aktivitäten der Kooperation zwischen Projekten in Wien und in Düsseldorf wieder und zeichnen damit ein regional geprägtes Bild, dass allerdings sehr inspirierend für weitere Projekte und Kooperationen sein kann. Gerade der Praxisteil bietet vielfältige Anregungen und Anschlussmöglichkeiten für Menschen die sich in ihrer Region mit dem Konzept des Keyworks praktisch auseinandersetzen wollen.
Rezension: Reinhold Knopp, Karin Nell (Hg.) (2007): Keywork – Neue Wege in der Kultur- und Bildungsarbeit mit Älteren, transcript Verlag, Bielefeld, 24,80 € ISBN: 978-3-89942-678-6
Der Sammelband „Keywork“ eröffnet verschiedene Perspektiven auf die aktuellen Entwicklungen in der Kultur- und Bildungsarbeit mit Älteren. Die ältere Generation verfüge über ein hohes Maß an Ressourcen, die für Ehrenamt und Engagement genutzt – aber nicht instrumentalisiert werden sollen, wie die Herausgeber in ihrem einführenden Beitrag herausstellen. Sie stellen Keywork als Alternative zum klassischen Ehrenamt in der Seniorenarbeit dar (S. 12) und zeigen dies anhand von verschiedenen Praxisbeispielen. Die Veröffentlichung gliedert sich in drei unterschiedliche Teile, von denen sich im ersten im theoretischen Fundierungen und Grundlagen auseinandergesetzt wird. Im zweiten und größten Teil steht die „Keywork in der Praxis“ im Mittelpunkt und im letzten Teil werden Keywork und Stadtteilarbeit in Bezie-hung gesetzt.
Im ersten grundlagentheoretischen Beitrag definiert Roman Schanner, was unter einem Key-worker – vor allem im Bereich der musealen Bildungs- und Kulturarbeit – zu verstehen sei. „Ein Keyworker im engsten Sinne der Definition hingegen sollte optimalerweise selbst Mitglied einer als Zielgruppe zu gewinnenden, sozialen Gruppe sein. (…) Die Keyworker besitzen sozusagen den »Schlüssel«, um ihrem eigenen sozialen Umfeld in adäquater »Sprache« und Form museale Inhalte zugänglich zu machen“ (S. 25). Sie sind demnach Vermittler zwischen den Kulturbetrieben und verschiedenen sozialen Milieus, die bislang nicht zu den klas-sischen Zielgruppen gehörten. In einem weiteren theoretischen Beitrag verweist Reinhold Knopp darauf, dass kulturelle Kompetenz ein Schlüssel für gesellschaftliche Wirksamkeit und Teilhabe bis ins hohe Alter hinein darstellt.
Der zweite – an der Keywork-Praxis orientierte – Teil der Veröffentlichung beginnt mit einem Beitrag von Karin Nell, die zunächst den Weg von der Netzwerkarbeit zum Keywork-Programm skizziert. Vor diesem Hintergrund stellt sie theoretische Grundlagen der Fortbildungsarbeit für Keyworker dar und orientiert sich dabei stark an Peter M. Senges Theorie der lernenden Organisation. Nell bezieht sich weiterhin, wie auch andere Autorinnen und Autoren des Sammelbandes, auf den Kapitalbegriff von Pierre Bourdieu. Keywork stehe hier an der Schnittstelle zwischen kulturellem und sozialem Kapital.
In einem anderen Beitrag des Praxisteils stellen Karin Nell und Ute Frank das Grundmodell des Kulturführerscheins® dar, der unter der Federführung der Diakonie in Düsseldorf entwickelt wurde. Die detaillierte Beschreibung der Entwicklung des Fortbildungskonzeptes bietet vielerlei Anschlussmöglichkeiten. Aus diesem Projekt heraus haben sich weitere kleinere Pro-jekte entwickelt. So zum Beispiel das von Ute Frank beschriebene Projekt Kultur auf Rädern, bei welchem Kultur als „Lebensmittel“ in die Privatwohnungen von Älteren oder in Seniorenheime gebracht wird. Ein Beitrag von Günter Friedeler beschäftigt sich mit dem Kultur-zentrum der Generationen im Jungen Schauspielhaus in Düsseldorf, bei welchem Ältere ihre Erfahrungen und Kompetenzen an benachteiligte Jugendliche und Kinder weitergeben.
Im letzten Teil steht die Verbindung zur Stadtteilarbeit im Mittelpunkt. Beispielsweise be-schreibt hier Heike Schwalm das Düsseldorfer Projekt PLATZDA. Hier geht es darum, mit partizipativen Methoden als Bürgerinnen und Bürger gemeinsam über die Raumnutzung bestimmter Orte zu diskutieren und Veränderungen anzustoßen.
Die Beiträge des Sammelbandes spiegeln vor allem die Aktivitäten der Kooperation zwischen Projekten in Wien und in Düsseldorf wieder und zeichnen damit ein regional geprägtes Bild, dass allerdings sehr inspirierend für weitere Projekte und Kooperationen sein kann. Gerade der Praxisteil bietet vielfältige Anregungen und Anschlussmöglichkeiten für Menschen die sich in ihrer Region mit dem Konzept des Keyworks praktisch auseinandersetzen wollen.
... hab ich so eben dem Finanzamt übermittelt. Jetzt bin ich erwachsen!?
Diese Rezension wurde auch im Bildungsblog veröffentlicht. Aus diesem Grund habe ich hier die Kommentare geschlossen und bitte darum, im Bildungsblog zu kommentieren. Danke!
Jenny Lüders (2007): Ambivalente Selbstpraktiken. Eine Foucault'sche Perspektive auf Bildungsprozesse in Weblogs, transcript Verlag, Bielefeld, EUR 28,80, ISBN-10: 3899425995, ISBN-13: 978-3899425994
Jenny Lüders setzt sich in ihrer Dissertation mit Bildungstheoretischen Überlegungen im Anschluss an Foucault auseinander und schließt daran mit einer qualitativer Analyse von Bildungsprozessen in Weblogs an.
Im ersten Teil ihrer Ausführungen beschreibt sie verschiedene Komponenten bzw. Dimensionen des derzeitigen Bildungsbegriffs. Sie beruft sich auf die aktuelle Diskussion darüber, ob „Bildung“ durch andere Begriffe ersetzt werden müsse und auf die Diskussion um die Diskrepanz von Bildungstheorie und Bildungsforschung. Sie benennt aus dieser Perspektive fünf Dimensionen: das Bildungssubjekt, Bildung und Gesellschaft, Bildung und Normativität, Prozesshaftigkeit von Bildung und das Verhältnis von Bildungstheorie und Forschung. Im Anschluss daran setzt sich Lüders mit den Arbeiten von Michel Foucault auseinander und beschreibt seine Forschung zum Subjekt, seine Gegenwartsanalysen, das Verständnis von Kritik, das besonders gut im Verhältnis von Normativität und Bildung wieder entdeckt werden kann, sowie Praktiken der „Entsubjektivierung“ also Praktiken, die es Subjekten ermöglichen „nicht dermaßen regiert zu werden“ (Foucault 1992). Dieser erste Teil der Arbeit, das Zusammendenken von Dimensionen des Bildungsbegriffs und Foucaults philosophisch gesellschaftlich-historischen Arbeiten erweist sich als durchaus fruchtbar, denn so kann eine neoliberale Umdeutung des Bildungsbegriffs oder des Autonomiebegriffs skizziert werden. Das Bildungssubjekt der Aufklärung ist immer in Stränge von Diskursen, Macht- und Wissensverhältnissen eingebunden damit nicht völlig frei und es bedarf daher Bildungskonzeptionen die diese Verstricktheit mitreflektieren und Möglichkeiten zum ‘anders denken’ bieten.
Im zweiten Teil der Arbeit widmet sich Lüders der empirischen Untersuchung von Bildungsprozessen. Dazu beschreibt sie zunächst ihren Untersuchungsgegenstand „Weblogs“ um anschließend ihre methodischen Überlegungen vorzustellen. In diesen verbindet Lüders die drei Achsen der Arbeit Foucaults (Diskursanalyse, Machtanalyse, Genealogie der Ethik) zu einem sehr inspirierenden und für weitere Forschungen durchaus fruchtbaren Untersuchungsraster. Sie untersucht in einem einzelnen Weblog hauptsächlich die Subjektpositionen der Autorin. Die Weblog-Autorin wird aus verschiedenen Diskurs- und Subjektpositionen analysiert. So zeige sie sich zum Beispiel als „Gestalterin“. Letztlich kommt Lüders zu dem Schluss, dass nur teilweise Bildungsprozesse bzw. Veränderungen, die auf Bildungsprozesse schließen lassen, im Weblog sichtbar werden.
Lüders methodisch-analytisches Vorgehen verbleibt jedoch auf einer diskursanalytischen Ebene. Die viel versprechende Verschränkung der drei Achsen wird leider methodisch nicht eingelöst. Die Autorin spricht zwar auch davon, das Vernetzungsstrukturen ein Indikator für Bildungsprozesse sein könnten, kann dies aber am ausgesuchten Weblog nicht zeigen. Lüders belegt ihre Interpretationen kaum, die zitierten Stellen des Weblogs wirken redundant und werden nicht durch Abbildungen angereichert. Insgesamt ist das Buch „Ambivalente Selbstpraktiken“ selbst ein wenig ambivalent, denn es beginnt mit wirklich fruchtbaren, interessanten und anregenden Überlegungen dazu, inwiefern mit Foucault der Bildungsbegriff transformiert werden kann. Vor allem die methodischen Überlegungen bieten verschiedene Anknüpfungspunkte für die weitere Forschung. Die Untersuchung selbst ist im Vergleich dazu eher enttäuschend. Nichtsdestotrotz bietet der Text im ersten Teil ein großes Potenzial und daher lohnt sich das Lesen auf jeden Fall.
Literatur:
Foucault, Michel (1992): Was ist Kritik? Merve Verlag.
Jenny Lüders (2007): Ambivalente Selbstpraktiken. Eine Foucault'sche Perspektive auf Bildungsprozesse in Weblogs, transcript Verlag, Bielefeld, EUR 28,80, ISBN-10: 3899425995, ISBN-13: 978-3899425994
Jenny Lüders setzt sich in ihrer Dissertation mit Bildungstheoretischen Überlegungen im Anschluss an Foucault auseinander und schließt daran mit einer qualitativer Analyse von Bildungsprozessen in Weblogs an.
Im ersten Teil ihrer Ausführungen beschreibt sie verschiedene Komponenten bzw. Dimensionen des derzeitigen Bildungsbegriffs. Sie beruft sich auf die aktuelle Diskussion darüber, ob „Bildung“ durch andere Begriffe ersetzt werden müsse und auf die Diskussion um die Diskrepanz von Bildungstheorie und Bildungsforschung. Sie benennt aus dieser Perspektive fünf Dimensionen: das Bildungssubjekt, Bildung und Gesellschaft, Bildung und Normativität, Prozesshaftigkeit von Bildung und das Verhältnis von Bildungstheorie und Forschung. Im Anschluss daran setzt sich Lüders mit den Arbeiten von Michel Foucault auseinander und beschreibt seine Forschung zum Subjekt, seine Gegenwartsanalysen, das Verständnis von Kritik, das besonders gut im Verhältnis von Normativität und Bildung wieder entdeckt werden kann, sowie Praktiken der „Entsubjektivierung“ also Praktiken, die es Subjekten ermöglichen „nicht dermaßen regiert zu werden“ (Foucault 1992). Dieser erste Teil der Arbeit, das Zusammendenken von Dimensionen des Bildungsbegriffs und Foucaults philosophisch gesellschaftlich-historischen Arbeiten erweist sich als durchaus fruchtbar, denn so kann eine neoliberale Umdeutung des Bildungsbegriffs oder des Autonomiebegriffs skizziert werden. Das Bildungssubjekt der Aufklärung ist immer in Stränge von Diskursen, Macht- und Wissensverhältnissen eingebunden damit nicht völlig frei und es bedarf daher Bildungskonzeptionen die diese Verstricktheit mitreflektieren und Möglichkeiten zum ‘anders denken’ bieten.
Im zweiten Teil der Arbeit widmet sich Lüders der empirischen Untersuchung von Bildungsprozessen. Dazu beschreibt sie zunächst ihren Untersuchungsgegenstand „Weblogs“ um anschließend ihre methodischen Überlegungen vorzustellen. In diesen verbindet Lüders die drei Achsen der Arbeit Foucaults (Diskursanalyse, Machtanalyse, Genealogie der Ethik) zu einem sehr inspirierenden und für weitere Forschungen durchaus fruchtbaren Untersuchungsraster. Sie untersucht in einem einzelnen Weblog hauptsächlich die Subjektpositionen der Autorin. Die Weblog-Autorin wird aus verschiedenen Diskurs- und Subjektpositionen analysiert. So zeige sie sich zum Beispiel als „Gestalterin“. Letztlich kommt Lüders zu dem Schluss, dass nur teilweise Bildungsprozesse bzw. Veränderungen, die auf Bildungsprozesse schließen lassen, im Weblog sichtbar werden.
Lüders methodisch-analytisches Vorgehen verbleibt jedoch auf einer diskursanalytischen Ebene. Die viel versprechende Verschränkung der drei Achsen wird leider methodisch nicht eingelöst. Die Autorin spricht zwar auch davon, das Vernetzungsstrukturen ein Indikator für Bildungsprozesse sein könnten, kann dies aber am ausgesuchten Weblog nicht zeigen. Lüders belegt ihre Interpretationen kaum, die zitierten Stellen des Weblogs wirken redundant und werden nicht durch Abbildungen angereichert. Insgesamt ist das Buch „Ambivalente Selbstpraktiken“ selbst ein wenig ambivalent, denn es beginnt mit wirklich fruchtbaren, interessanten und anregenden Überlegungen dazu, inwiefern mit Foucault der Bildungsbegriff transformiert werden kann. Vor allem die methodischen Überlegungen bieten verschiedene Anknüpfungspunkte für die weitere Forschung. Die Untersuchung selbst ist im Vergleich dazu eher enttäuschend. Nichtsdestotrotz bietet der Text im ersten Teil ein großes Potenzial und daher lohnt sich das Lesen auf jeden Fall.
Literatur:
Foucault, Michel (1992): Was ist Kritik? Merve Verlag.
Lia - am 15. Mai 2007, 14:16 - Rubrik: Perspektiven